Abitur – Die Anmeldung
21. Juni 2013


„Wann hatten sie den Termin?“ Die Sekretärin blickt mich böse an und auch die Frage lässt durchblicken, dass ihr Feierabend nicht in weiter Ferne liegen sollte.  „Vor einer viertel Stunde“, gebe ich kleinlaut zu. „Dann hätten Sie auch hier sein sollen“, keift Sie nun schon, worauf ich „Dachte ich mir auch“ murmele in der Hoffnung die Situation etwas zu entspannen.

„Na dann schauen wir mal ob draußen noch wer sitzt“, sagt sie noch während sie in den leeren Flur tritt. „Scheint nicht so. Dann gehen sie mal da vorne durch die offene Tür in den Raum daneben.“ „Das schaffe ich“, antworte ich noch und gehe los ohne wirklich zu wissen wo lang ich muss. Da es aber nur einen Gang gibt sollte ich die offene Tür jedoch finden. Es gibt zum Glück wirklich nur eine offene Tür und im daherfliegenden Raum nur eine weitere Tür, an welche ich kurz klopfe und gleichzeitig noch öffne. Im Raum sitzen drei Personen, zwei Frauen und ein, die mich nun allesamt anblicken und auf eine Erklärung meiner Störung waten. „Ich hatte einen Termin, vor einer viertel Stunde, Buttlies mein Name.“ „Dann kommen sie mal rein, setzen Sie sich und tragen Sie sich erst mal in die Liste ein.“ „Kein Problem, kriege ich hin.“, meine  ich und merke augenblicklich welchen Nachteil das rein digitale Arbeiten unterwegs mit sich bringt. Ich habe keinen Stift dabei.

„Ok, damit habe ich Ihnen alles Wichtige erzählt. Herr Buttlies sollten sie noch Fragen haben klären wir diese im Einzelgespräch. Beginnen wir mit der einzigen Frau, die Herren einigen sich draußen wer danach  dran kommt.“ „Ich lasse gerne den Vortritt, kam schließlich zu spät.“, biete ich höflich an und verschwinde mit dem Mitbewerber nach draußen. Wo ich erst mal meine Unterlagen ordne. Diese wollte ich eigentlich in einer schicken Bewerbungsmappe präsentieren, welche ich gerade besorgen wollte, als mein Handy mir verkündete, dass ich die falsche Uhrzeit im Kopf hatte und mein Termin gerade begann, woraufhin ich raschen Schrittes durch die Kölner Innenstadt eilte.

Allerdings vermute ich durch den verstörten Blick des Mitbewerbers auch mehr mitgebracht zu haben als nötig, aber ich versuche mich nicht aus meiner noch zu suchen enden Ruhe zu bringen. „Der nächste bitte!“, schallt es aus dem Vorstellungsraum und ich sitze kurz danach alleine im Foyer und schaue mir die Bilder an. Manche Schulen sind wirklich hässlich, denke ich noch, doch dann ist meine Wartezeit auch schon rum und ich darf mich vorstellen.

Vorstellen ist hierbei allerdings etwas zu hoch angesetzt. Die Liste an benötigten Unterlagen wurde abgehakt und überprüft. Glücklicherweise muss ich keine zweite Fremdsprache mehr lernen, meine vier Jahre Französisch Unterricht auf der Realschule genügen vollkommen. Zwar möchte ich nicht behaupten mein Französisch wäre gut, aber wieder einmal zählt was auf einem Papier steht.

Nachdem die Überprüfung ergab, dass ich geeignet bin, werde ich gefragt wieso ich das Abitur überhaupt machen will und was ich damit erreichen möchte. “Ehrlich gesagt, genügt es mir es erst mal es zu haben und dann mal zu schauen. Mal sehen worauf ich in drei Jahren Lust habe.”, gebe ich zu und überlege noch ob diese Antwort klug war. Scheinbar war sie es, denn die Lehrerin blickt mich erfreut an und bestätigt mir die ungenaue Planung sei richtig. In den drei Jahren kann viel passieren, neue Interessen werden durch neue Lehrinhalte geweckt. Zwar glaube ich nicht, dass ich so viel Neues erfahren werde, aber ich lasse mich gerne überraschen.

Trotz allem kann sie mir bisher nicht fest Zusagen. Ich bin natürlich nicht der Einzige der sich anmeldet und auch nicht einer von wenigen, sondern von vielen. Doch ich stehe nun fest auf der Warteliste und die Chancen stehen gut dieses Jahr noch anfangen zu können. Denn in jedem Jahr gibt es Leute die kurzfristig absagen aus privaten Gründen oder zum ersten Unterricht nicht erscheinen. Wer nicht erscheint, fliegt raus. Strenge Regel.

Ich darf nun wieder ins Sekretariat, wo die nette Dame von vorhin sich wirklich für den Feierabend bereit macht und werde von der nächsten Schicht bearbeitet. Diese ist noch recht neu in der Schule und kennt den Ablauf der Anmeldung nicht komplett. Auch sie schaut wieder meine Unterlagen durch, kopiert noch ein paar der anderen mitgebrachten Dokumente und entlässt mich schließlich, nachdem sie mir die fünf Euro Kopiergeld abnahm.

Das ganze dauerte knapp eine Stunde und ist nun fünf Tage her, bisher erreichte mich noch keine Meldung, ich bin gespannt wie lange es dauert.